Sonntag, 11. September 2011

New York, Irene and me

Die Stadt stand nicht unbedingt auf meiner Liste der Orte, die man unbedingt besucht haben muss, bevor man den Planeten verlässt und die Begrüßung erinnerte mich an einen amerikanischen Film über ein Strafcamp. Dann kreuzte auch noch Irene unseren Weg. Und doch – die Stadt hat was! Wenn es auch schwerfällt: einige meiner Vorurteile gehören revidiert…

Wie das alles so kam:
Was tut eine Mutter nicht alles, wenn das Kind für drei Monate ans andere Ende der Welt verschwindet und eine 10 Dollarnote als Unterstützung und Aufmunterung für den Besuchs zurücklässt?  Richtig! Man überlegt solange hin und her bis der Flug endlich über 800 Euro kostet (schließlich muss man ja die notleidende einheimische Fluglinie auch unterstützen) und bucht schlussendlich. Blöd nur, dass das selbige Fluglinie eine Woche vor dem Flug diesen für 398 Euro anbietet, aber das ist Künstlerpech und das kennen wir ja auch alle vom Einkauf technischer Produkte.
Bereits Tage vor dem Abflug kündigt sich ein Hurricane an – was tun? Umbuchen – geht nicht, außer nochmals 400 Euro zu investieren, also überlassen wir die Reise einem „Gottesurteil“ – mal sehen ob der Flieger abhebt. Volles Vertrauen in den Piloten, die Wetterfrösche hier und da und die Flugsicherung.
Alles klappt: Wir haben unsere ESTA-Bestätigung, die Online-Buchung klappt gerade noch, obwohl erst 3 Stunden nach möglichen Einstieg vergangen sind, erhasche ich noch ein Plätzchen für Oma und mich nebeneinander, die freundliche Dame am Flughafen nimmt unser Gepäck entgegen und wir heben fast pünktlich von good old Vienna ab.

Der Flieger ist ziemlich gut gebucht. 8 Stunden Sargklasse. Neben mir eine Vierjährige, die gegen ihren Sessel und ihre Umgebung tritt und haut und brüllt. Ihre Mutter lächelt entschuldigend, ist sichtlich entnervt, unternimmt aber sonst ziemlich wenig. Aber Schreien strengt an, und so genießen wir ein paar Stunden Ruhe, dann ein freundliches und ausgeruhtes Kind, das sogar lächeln kann. Die ziemlich beleibte Dame vor mir, sorgt gleich nach dem Start für mehr Bewegungsspielraum, indem sie volle Kanne ihren Sitz nach hinten bringt. Das ist die Sargklasse, die ich liebe. Immerhin ist sie so gütig, während der Nahrungsaufnahme den Sitz wieder gerade zu richten. Das alles ficht den Herrn schräg hinter uns nicht im Geringsten an: er schnarcht den Flug durch und die AUA hat wieder mal ein Essen für den Rückflug gespart (vielleicht auch ein Beitrag zur Sanierung).


In der Neuen Welt angekommen, erwartet uns ein Drill-Sergeant:  „Stay in line!!“ „Left, left, left! Where is your left hand!“ schallt es durch den schmalen Gang, der uns nach dem Ausstieg aus der Maschine erwartet. Österreicher, die zum ersten Mal hier landen – ich hätte alle aus der Schlange nur auf Grund des Gesichtsausdruckes herausfiltern können – überlegen, ob sie sich in einem Film befinden, oder im Flugzeug wieder Schutz suchen sollen, bleiben dann aber doch erschreckt und verängstigt stehen. Der Drill-Sergeant (habe ich schon gesagt, dass es sich um eine Frau handelt?) bekommt Verstärkung von einer zweiten Furie.“Stay left!“ Leider kommen auf dieser Seite gerade die Passagiere mit den Rollstühlen vorbei und die Schlange wird nach „Right! Stay right!“ um kommandiert. Ich überlege kurz, ob ich mit einem kessen „Yes, Mam!“ antworten soll, denke dann aber kurz an Guantanamo und meine Tochter und halte wie alle anderen den Mund. „Americans first“ – fein, nachdem wir einige Minuten stramm gestanden sind, kommt Bewegung in die Truppe – Amerikaner und die Green Cards werden durchgelassen – ich sinne auf Rache und ob man das in umgekehrter Weise nicht auch in Wien Schwechat einführen sollte – dann kommen Kinder mit Begleitpersonal (völlig ok).
Schließlich sind auch die Ösis und das andere Gelumps an der Reihe und freudestrahlend biegen wir um die Ecke um leicht zurückzuprallen: Eine Halle vollgefüllt mit Leuten (Schlangen bei der Hahnenkammbahn in Kitzbühel In der Hauptsaison sind dagegen als „Lercherl“ zu bezeichnen wenn man die Länge vergleicht) – gut organisiert aufgefädelt. Auch hier dazwischen Aufsichtspersonen, die – allerdings ein wenig freundlicher und leiser – die Meute auffordern aufzuschließen, weiter zu gehen usw. Nach 3 Stunden werden wir dann endlich einem „border officer“ oder wie es auch immer richtigl heißen möge, zugeteilt – nix ist mit Schalter selbst aussuchen!!! Auch hier gibt es sofort Personal, das dafür sorgt, dass seine Anweisungen genauso umgesetzt werden, wie befohlen.  Ein Plakat mit Aufschriften wie: „Wir sind das Gesicht Amerikas, wir sind freundlich, zuvorkommend und kümmern uns respektvoll um die Neuankömmlinge“ hängt an der Wand jeder einzelnen Kabine der  Grenzbeamten. Skeptisch nähern wir uns den Beamten und stellen fest: das stimmt. Höflich, zuvorkommend, freundlich und nett scherzt er mit uns und beruhigt uns auch, dass wir selbst bei einem Hurricane in New York sicher sind, so wir die Anweisungen befolgen. Feig wie ich bin, verkneife ich mir auch hier die Frage, warum ich mich eigentlich von der Vorhut so zusammen sch… lassen musste…
Dann sind wir durch – sogar ohne Foto und Fingerscan – anscheinend sind wir bereits vorab genug durchgecheckt oder schauen wirklich harmlos aus und eilen nach draußen. Das Gute an der langen Wartezeit: die Koffer sind schon da und meine große Tochter nimmt uns in Empfang, organisiert ein Taxi (nur yellow cab nehmen!!) und ab geht’s.

Der nächste Stop überrascht auch ein wenig – das Taxi muss erst aufgetankt werden. Anscheinend gibt’s auch noch eine kleine Diskussion mit der Creditcard des Fahrers aber dann geht’s los und wir landen sicher im Hotel.
Dort erwartet uns – Sie ahnen es schon – eine kleine Schlange vor dem Check-in, aber das soll es ja auch schon in Europa gegeben haben. Aber auch hier alles gut organisiert – die Absperrungen wie auch das Personal, dass uns einweist, ist auch hier vorhanden.
Das Pennsylvania Hotel hat schon einige Jahre auf dem Buckel, aber eine ausgezeichnete Lage (direkt vis à vis vom Madison Square Garden).  Die Zimmer sind ein wenig muffelig (obwohl Nichtraucher, hier gibt es aber auch noch Raucherzimmer !!), die Armaturen tropfen ein wenig und ein bisschen kommt im Bad der Putz von der Decke, aber wir wollen ja eigentlich nur ein Bett zum Schlafen und sonst so wenig Zeit wie möglich im Hotelzimmer verbringen – dafür reicht es. Und das Bett ist Supersize!

Das Wetter ist traumhaft und wir starten sofort in die Stadt und hier wartet die nächste Überraschung auf mich: bis zu diesem Zeitpunkt war Wolkenkratzer für mich Wolkenkratzer. Da gibt es natürlich hässlichere und schönere, aber alles in allem sah für mich einer wie der andere aus. Aber das ist „completly“ falsch! Die Wolkenkratzer New Yorks gibt es in Groß und Klein, in Alt und Neu, faszinierende Glaswände, Jugendstilarchitektur, Barockverzierungen, - dazwischen beeindruckende Kirchen in unterschiedlichsten Baustilen, die auch durch ihre Innenausstattung sehr beeindruckend auf den Besucher wirken. Große Giganten stehen neben kleinen, fast zart und feingliedrigen Gebäuden, man kommt aus dem Staunen nicht heraus. Selbst ein Haus im deutschen Fachwerkstil haben wir gesehen.

Wir besuchen das Rockefeller Center: Top of the Rock ist angesagt – wir wollen den schönen Tag noch ausnutzen. Hier lernen wir kurz beim Karten kaufen mal wieder einmal was es heißt sich ordnungsgemäß anzustellen: die Abweichung  in der Schlange, die diesmal gar keine ist, vielleicht sind drei Personen vor uns, bringt uns sofort einen Verweis. Auf Vordrängen sind die Amis allergisch, auch wenn es gar nicht geplant ist – Disziplin ist hier angesagt. Das sollte uns schlampigen Europäern noch einige Male passieren…
Vom Observation-Deck genießt man eine wunderbare Aussicht über Manhattan, und hier wird nochmals die Vielfalt in der Architektur der Wolkenkreuzer und der Stadt deutlich. An schönen Abenden kann man hier den Sonnenuntergang genießen, der die Gebäude in einer wunderbare Stimmung und tolles Licht taucht. Von weitem grüßt die Freiheitsstatue, Brooklynbridge und natürlich der Central Park mit seinem enormen Ausmaß. Man sollte sich Zeit für die Besichtigung nehmen. Immer wieder entdeckt man neue Kleinigkeiten und Besonderheiten – es lohnt sich in Ruhe die Stadt, die immer pulsiert und lebt zu genießen.
Museen
Natürlich finden Sie in dieser Stadt viele und auch die unterschiedlichsten Museen. Sie alleine schon – wie ich jetzt weiß – können Grund genug sein, ein paar Tage länger in New York zu verweilen. Durch die Sightseeing-Unterbrechung von Irene konnten wir leider nur das Guggenheimmuseum, das Museum über die World Trade Center und die Galerie für Deutsche und Österreichische Kunst besuchen, das wir zufällig gefunden haben (es liegt eigentlich beim Guggenheimmuseum ums Ecke) und das allen Freunden von Klimt und Schiele ans Herz gelegt werden kann. Hier kann auch Adele Bloch-Bauer bewundert werden
Über das Guggenheimmuseum muss man nicht viel erzählen: allein die Architektur des Museums muss man gesehen haben. Die Bilder und Ausstellungsgegenstände von Lee Unfang haben uns wenig beeindruckt, aber die Kandinsky Schau kann man nur jedem empfehlen. Auch der Raum der 100.000 -Ein Dollar Noten, die wie eine Tapete an den Wänden angebracht sind, beeindruckt.
Unbedingt sollte man das WTC-Museum besuchen, es ist momentan noch in einer Dependance untergebracht, die ein wenig unter Raumnot leidet und dennoch: erst hier kann man das ganze Grauen des Anschlages mitbekommen. Neben persönlichen Gegenständen der Opfer – noch immer von Staub bedeckt – gibt es Audioaufnahmen von Telefonaten, einen Film über die Aufräumarbeiten, Bilder der Verstorbenen. Erst hier habe ich ein klein wenig verstanden, was dieser Angriff für die Amerikaner bedeutet haben muss.
Wall Street

Wer in New York spazieren geht, muss in die Wall Street. Schließlich muss man ja wissen, wo das ganze Geld, das man nun nicht mehr besitzt, geblieben ist… Es wartet auf den interessierten Besucher ein kleines schmales Gässchen, jedoch mit beeindruckenden Wolkenkratzer und dem Monumentalgebäude der Börse, das auf seiner Hauptseite einem griechischen Tempel gleicht.
Auch der Bulle, der das Wohlergehen und den Aufstieg der Börsen symbolisiert, ist sehenswert – Sie finden ihn ganz einfach dort, wo viele Touristen auf einem Haufen stehen und fotografiert wird auf Teufel komm raus – es ist fast unmöglich während eines normalen Tages das Vieh ohne einen oder mehreren lächelnden Touristen vor die Linse zu bekommen…
Die Kirchen von New York

Pflicht ist natürlich die St. Patricks Cathedral.  Allein ihre Lage erstaunt: eingezwängt zwischen den Wolkenkratzern zeigt sich eine im neugotischen Stil erbaute Kathedrale. Sie ist der Sitz des Erzbischofs von New York und gleichzeitig die größte katholische Kirche in den USA. Beeindruckend ist auch ihre Innenausstattung. Riesige Glasfenster, ein große Rosette sorgen für ein stimmungsvolles Licht,  der St. Michaels und der St. Louis Altar wurde von Tiffany & Co entworfen, der St. Elisabeth Altar von Paolo Medici aus Rom.

Eher per Zufall sind wir in die Kirche des Hl. Thomas  gekommen, die durch ihren wunderbaren Altar sicher jeden Besucher ins Staunen versetzt. Auch hier lohnt es sich, die Hektik der Stadt hinter sich zu lassen und ein paar Minuten in Ruhe zu verweilen und die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen.
An der Trinity Church – so muss ich ehrlich gestehen – sind wir nur vorbei in die Wall Street gehastet. Diese Kirche innen zu sehen, steht dann auf jeden Fall beim nächsten Besuch im Plan – vor allem möchte ich auch herausfinden welche Bedeutung die „Wurzel“ (?) vor ihrem Eingang hat.
Öffentlicher Verkehr

Manhattan hat gut ausgebaute U-Bahnverbindungen. Manchmal ist es allerdings schwierig die Eingänge zu finden, da diese auch in einem Kaufhaus oder einem normalen Hauseingang versteckt sein können. Die Ausstattung ist unterschiedlich. Manche Stationen sind stark renovierungsbedürftig und erinnern durch die offen verlegten Leitungen an frühere Zeiten des Ostblocks, manche sind neu gestylt. Die U-Bahn-Stationen sind meist (natürlich bei gutem Wetter im Sommer) meist heiß und stickig, eher klein und schmal gebaut und die Decke wirkt in vielen Stationen extrem niedrig.
Auffallend ist aber das Leben, das sich auch hier abspielt. Wenn man bei uns durch den Untergrund von einer Station zur anderen eilt, ist man meist schnell unterwegs – die Umgebung ist abweisend, es ist nichts los – höchstens Zeitungsverkäufer, Bettler, zwielichtige Gestalten und ein bis zwei Geschäfte, die aber nicht unbedingt zum Kaufen einladen.
Anders New York – hier ist alles sauber, hell  - es gibt viele Geschäfte, an jedem Eck und in jeder Gasse bekommt man einen Café zum Take Away, Fruchtsaft, Sandwiches, Muffins, Obst, Gemüse – einfach alles was das Herz begehrt.

Eine Sehenswürdigkeit ist in jedem Fall die Central Station. Der große Verkehrsknotenpunkt ist mehr als nur ein großer Bahnhof! Ungläubig blickt man sich in der großen Halle um: Prunk und Glanz wie in den schönsten Tanzsälen des 19. Jahrhunderts, alles Marmor, alles sauber und geschmackvoll. Nur die neuen Anzeigetafeln mit den Abfahrten und Ankünften erinnern daran, dass dies wirklich eine Bahnhofshalle ist. Unter der großen Halle wartet neben der noblem Oyster Bar ein vielfältiges Essensangebot auf die hungrigen Reisenden und Besucher. Und auch dieses Ambiente ist zwar auf schnelles Essen und Kommen und Gehen eingerichtet, hat aber nichts mit den Verpflegungsabfertigung in unseren Breiten zu tun – von der Auswahl mal ganz zu schweigen.
Essen

Stellen Sie sich drauf ein, dass es das übliche „Zimmer mit Frühstück“-Arrangement in New York nicht üblich ist. Es scheint vielmehr, dass „coffee and go“ die Normalität in der Stadt, die niemals schläft, darstellt. Aber es gibt immer in der Nähe einige Coffee-Shops, die mit Kaffee und erstaunlich guten Croissants punkten können. Erwarten Sie nur nicht einen italienischen Espresso, aber Cafe Latte oder Cappuccino sind – mit italienischen Abstrichen – durchaus genießbar.
Im Big Apple können Sie zwischen den verschiedensten Küchen wählen: Thai, Chinesisch, Koreanisch, Italienisch, Amerikanisch, eigentlich was immer Sie wollen. Machen Sie sich gefasst, dass Sie dafür das gleiche, wenn nicht ein wenig mehr wie in Europas Hauptstädten auf den Tisch legen müssen.  Dazwischen gibt es allerdings mehr als McDonalds und Burger King. Es gibt viele kleine Läden, die Salate, Snacks, Sandwiches in durchaus hervorragender Qualität anbieten. Es ist also kein Schicksal nur mit Burger auszukommen – Alternativen gibt es wirklich genug und auch die Auswahl an frischen Salaten zu später Stunde ist beeindruckend. Nutzen Sie sie.
Times Square


Ein Muss!! Ein absolutes Muss!! Lebensfreude pur bis spät in die Nacht – vor allem im Sommer ein Traum. Hier pulsiert das Leben. Ich gebe zu, für mich als Werbefreund ein echtes Eldorado: es funkelt und glitzert und leuchtet. Bunt, laut und schrill. Ein Erlebnis besonderer Art. Schauen Sie außerdem noch unbedingt in den Disneystore oder zu den M&Ms. Sollten Sie Kinder im entsprechenden Alter mit haben, legen Sie vorher die Grenze des Einkaufswerts fest – sonst sind Sie verloren!!!
Männer in weiblicher Begleitung möchte ich vor dem Swarovski-Store warnen, aber eigentlich ist es egal – man findet immer etwas und sei es ein T-Shirt vom Hard Rock Cafe.
Merkwürdiges
Die Wassertanks auf den Wolkenkratzern: Sie versorgen auch die Bewohner der oberen Stockwerke mit kühlen Nass wenn zu Spitzenzeiten die Pumpe versagt. Parkplätze, bei denen die Autos in luftiger Höhe „aufbewahrt“ werden. Tennisplätze, Bars und Restaurants auf den Dächern der Wolkenkratzer und die leeren Straßen von New York während Irene durch die Stadt heulte.

Irene

Ein Hurricane – mal kurz überlegen – na so arg kann das ja wohl nicht werden. Die Aussage des Stewards beim Hinflug „Oh, Sie wollen nur so kurz bleiben – na das wird sich mit Irene aber nicht ausgehen“ bringt meine Selbstsicherheit ein wenig ins Wanken. Dann Beruhigung an der Border: „In New York sind Sie sicher. Es wird nicht so arg werden, aber wir haben vorgesorgt. Wenn der Sturm da ist bleiben sie aber sicherheitshalber im Hotel – nicht dass Sie von herabfallendem Glas etc getroffen werden.“ Das Wetter einfach toll – man kann gar nicht glauben, dass sich die Lage so schnell verändern könnte.
ABC und CNN beginnen alles aufzubieten, was das Zeug hält: „Tracking Irene“ heißt der Serienknüller. Wir erfahren wo der Sturm gerade ist, wie die Computersimulationen aussehen, hören den Meteorologen zu, Bürgermeister Bloomberg ist alle drei Stunden in einer Pressekonferenz zu hören, und können es noch immer nicht glauben – der Sturm kommt näher und denkt anscheinend nicht daran abzudrehen. Inzwischen ist er mit 75 m/h unterwegs. Ich verstehe die Aufregung nicht! Wegen 75km/h würde in Wien noch kein Mensch auszucken und hohe Häuser haben wir auch (wenn auch nicht ganz so hoch und nicht ganz so viele) – langsam dämmert es mir, dass es hier aber um Meilen und nicht um Kilometer geht – hmm – hat jemand vielleicht eine Umrechnungstabelle bei der Hand?
Jedenfalls verunsichert das doch ein bisschen: In der Zwischenzeit gibt Bloomberg alle zwei Stunden eine Pressekonferenz, erklärt seine Evakuierungspläne, verkündigt die komplette Abschaltung der U-Bahn und man sieht erste Zerstörungen, die Irene bei Landnahme angerichtet hat. Wir wagen uns trotzdem nochmals auf die Straße, das Wetter ist nach wie vor schön. Trotzdem beginnen sich die Straßen, in denen sich normalerweise die Yellow Cabs mit normalen Autos duellierten, merklich zu leeren, fast sind nur noch die New Yorker Taxis auf der Straße. In einigen Straßen sehen wir Kolonnen von NYPD-Autos und auch größeres Gerät. Wir bummeln nach unserem Frühstück noch ein wenig herum, leichter Wind kommt auf, einige Tropfen Regen fallen. Wir beschließen mit der U-Bahn zurück ins Hotel zu fahren. Die Stadt ist wirklich organisiert: in jeder U-Bahn Station hängen Ankündigungsplakate. Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe erklären freundlich allen Reisenden, dass der U-Bahnverkehr eingestellt wird, empfehlen dir am schnellsten Weg nach Hause oder ins Hotel zu fahren, wissen auch ob das nun der letzte U-Bahn Zug ist oder nicht. Ich stelle mir die Situation in Wien vor und kann mir nicht vorstellen, dass wir das so schnell in Reihe gekriegt hätten (Tschuldigung Herr Häupel, aber es ist so) Also ab ins Hotel. Die Lage scheint bedrohlicher zu werden, zumindest wenn man dem Fernsehen glaubt. Der Wind wird etwas stärker, Regen setzt ein. Bloomberg warnt davor, dass es zu Überschwemmungen kommen kann und zu Stromausfällen. „Fahren Sie nicht mit den Aufzügen, sie stecken fest, wenn es zu Stromausfällen kommt und die Feuerwehr hat dann wahrscheinlich anderes zu tun als sie zu befreien“ – Der Höhepunkt wird für 8 Uhr morgens angekündigt. Man solle sich mit Wasser und Essen versorgen. Wir sind im 11. Stock! An Stromausfälle habe ich eigentlich noch nicht gedacht. Was wenn das Ganze dann doch länger dauert? Meine Mutter wünscht sich Kerzen. Tja, daran hätten wir früher denken sollen. Aber Wasser und Essen – außer 2 Falschen Mineral und eine Tafel Schokolade sieht es schlecht aus – Essen zu gehen kommt nicht mehr in Frage. Conny und ich beschließen noch schnell zusätzliches Wasser und Essen zu holen. Obwohl ich mich zuerst weigere noch mit den Aufzügen zu fahren, siegt die Bequemlichkeit – und nichts passiert. Wir kehren mit unseren Hamsterkäufen und einer Pizza im Ausmaß „Supersize“ in unser Hotelzimmer zurück, die wir auch fast verputzen obwohl eigentlich niemand groß Hunger hatte und meine Mutter eigentlich Pizza nicht mag.
Trotz beunruhigender Berichterstattung im TV schlafen wir eigentlich gut und recht lange. Zwischen 8 und halb 9 werden wir wach und warten auf den Hurricane. Es ist ruhig – fast windstill. Conny erklärt mir, dass wir wahrscheinlich im Auge des Sturmes sind und das Schlimmste noch bevorsteht. Doch wir hatten Glück: nach ein wenig Regen und ein bisschen Sturm war das Ärgste schon vorbei und wir trauten uns am Nachmittag bereits wieder an das Ufer des East River, wo wir nach Überschwemmungen Ausschau hielten, aber auch hier war alles in der Hand der NYPD und damit in Ordnung.
New York – mit oder besser ohne Hurricane – ist eine Reise Wert. Als Einkaufsmetropole hatte ich die Stadt schon immer wahr genommen, natürlich auch durch die schrecklichen Ereignisse von 9/11, die jetzt auch wieder in aller Munde sind, aber beides waren für mich nicht Gründe genug 8 Stunden in einem Flugzeug zu verbringen. Aber New York ist mehr und es gibt – und das nur in Manhattan – eigentlich noch sehr viel zu sehen, was wir nicht gesehen haben: die Bibliothek, das Empire State Building von Innen, eine Schifffahrt am Hudson, die Freiheitsstatue aus der Nähe, die Studios der ABC – das klingt noch nach einem ausführlichen Besichtigungsprogramm. Und das alles obwohl ich mich noch gar nicht so richtig mit der Stadt auseinandergesetzt habe …
Hätte vorher wirklich nicht gedacht, dass ich das einmal sagen werde …..
Weitere Fotos gibts auf meiner Picasa-Seite zu sehen....