Mittwoch, 1. August 2012

Open Air Opernfestspiele Gars am Kamp 2012: Rigoletto

Open Air Festpiele in Gars am Kamp
Ich bin ein echter Fan der Open Air Veranstaltungen, egal ob Mörbisch (Operette), St. Margarethen (Oper) oder eben Gars. Jeder Aufführungsort hat seine eigene Atmosphäre, die größtenteils durch die „natürliche“ Umgebung (See, Steinbruch, Burg) gegeben ist, aber auch die der Charakter der Landschaft und der Menschen (Besucher wie Mitarbeiter) bringt einiges an Stimmung mit ein.
Gars am Kamp ist unter den aufgezählten Spielstätten die kleinste und damit auch diejenige mit der intimsten Atmosphäre.
Gars am Kamp - die Burgruine
 Wenn Sie als Besucher ein bisschen vor dem Beginn der Veranstaltung kommen, können Sie den Opernabend in den Babenberger Stuben mit einem Gläschen Sekt oder Wein beginnen und den Sängern beim Einsingen zuhören. Hungrige werden sich über das kleine, aber feine Speisenangebot freuen. Meckern Sie nicht, dass die Auswahl klein ist! Dafür geht alles ruck zuck, was vor solchen Veranstaltungen notwendig ist und Schnitzel, Salat, Gulasch-oder Fritattensuppe sind ebenso empfehlenswert wie der Topfenstrudel. Das alles wurde zumindest schon mal von uns verkostet.
Open Air Gars am Kamp, ein Teil des Zuschauerraums mit Blick auf das Orchester
Einzigartig ist das Ambiente der verfallenen Burg, die den Zuschauerraum wie auch die „Pausenräume“ umrahmt. Die kleine Bühne wird im Hintergrund durch einen Teil der Burg begrenzt, deren Mauern und „Fenster“ für so manche Regieidee herhalten. In schwindelnder Höhe hoch oben auf der Mauer wurde schon gesungen, marschiert, geschmuggelt und gekämpft.
Open Air Gars am Kamp - die Bühne
Dieses Jahr wurde Giuseppe Verdis Rigoletto aufgeführt. Erstaunlich wieder das Bühnenbild, hervorragend der Spiel mit der Burgwand und den „Jalousie“, die einen flexiblen Bühnenhintergrund mit Türen und Fenstern ermöglicht.
Rigoletto Michele Calmandi (Foto: OpenAir Festpiele Gars am Kamp)
 Von den Sängern muss allen voran der stimmlich hervorragende Rigoletto Michele Calmandi erwähnt werden. Der ungarisch-rumänische Bariton hat sich bereits international einen Namen gemacht und das zu Recht. In hohen Tönen muss man auch seine überzeugende schauspielerische Leistung, die durch die Nähe zum Publikum noch mehr gefordert wird als an großen Bühnen, lobend erwähnen.
José Ortega verkörpert den Herzog von Mantua (Foto: Open Air Festspiele Gars am Kamp)
Sehr gefallen hat mir auch die Darstellung des Herzogs von Mantua durch den stimmlich ebenfalls hervorragenden mexikanischen Tenor José Ortega, souverän auch Nenad Jakovlevic als Monterone und Oleg Korotkov als Sparafucile.
Michele Calmandi und Oleg Korotkov (Foto: Open Air Festpiele Gars am Kamp)

Mit Madina Serebryakova als Gilda war ich vor allem vor der Pause nicht immer so ganz einverstanden, manche Höhen klangen vielleicht nicht ganz so leicht wie ich es mir gewünscht hätte, bei manchen Partnerszenen wäre weniger Kraft aber mehr Einfühlungsvermögen besser gewesen. Auch das Orchester kam mir an manchen Stellen ein wenig auf Abwegen vor. Beides besserte sich aber im Laufe der Vorstellung. Vielleicht war es auch nur die Furcht, die jede OpenAir-Veranstaltung begleitet – die Furcht vor dem Regenguss – und die war bei uns zumindest groß, mussten wir doch bei der Anfahrt durch einen gewaltigen Regenschauer hindurch.


Conclusio: Anschauen lohnt sich: tolle Regie, tolle Stimmung, tolles Ambiente. OpenAir-Ausrüstung ist unbedingt notwendig. In Gars beginnt es bereits im August zu „herbsteln“ – verzichten Sie nicht darauf eine Decke und eine Jacke mitzunehmen, auch wenn es tagsüber noch sommerlichste Temperaturen hat – Sie werden mir den Hinweis noch danken. Regenschutz sollte auch dabei sein – am besten eignet sich dafür eine sogenannte „Regenhaut“, die jeder regelmäßige OpenAir-Besucher sein eigen nennt. Ein dünner Regenmantel oder Regenponcho – früher Pelerine genannt – mit Kapuze – so ausgestattet kann man auch einem kleinen nassen Guss trotzen.

Rigoletto. Oper von Guiseppe Verdi beim OpenAir Gars
www.openair.at
Mehr über Gars am Kamp auf www.ask-enrico.com