Freitag, 24. August 2012

Tief im Westen – wo die Sonne verstaubt….

Wer kennt ihn nicht, den Songanfang von unserem Lieblingsdeutschen Herbert Grönemeyer. Und weiter geht’s im Text: „ist es besser – viel besser als man glaubt.“
Die Ruhr bei Kemnade
An der Ruhr bei Schloss Kemnade
 Und was soll ich sagen – es stimmt.Gut, ich bin hier auch der Liebe wegen, aber die rosarote Brille gilt nicht für Schön- oder Hässlichkeit rundherum. Natürlich ist nicht alles fantastisch, aber waren Sie schon mal in der Wiener Großfeldsiedlung? Eben. Hier im Blog wird einfach von den tollen Plätzen in und rund um Bochum in nächster Zeit auch die Rede sein. Let’s go …

Haus Kemnade, der Kemnader Stausee und die Ruhr

Der Stausee Kemnade
Die Ruhr mit Blick auf den Stausee Kemnade
Wenn wir schon mal bei den Vergleichen sind. Wien hat die Donauinsel und ist – zu Recht – mächtig stolz darauf. Die Ruhris (=Einwohner der Ruhrgebiets) haben die Ruhr und entlang ihres Verlaufs ein wunderbares Erholungsgebiet.
Enten auf der Ruhr
Auch den Enten gefällt es...
 Der Fluss ist Namensgeber für das Gebiet und seine Bewohner. Früher ein stark befahrener, verschmutzter Wasserweg, ist die Ruhr heute fast wieder in ihrer ganzen Pracht vorhanden und Trink- und Brauchwasserspender für die Stadt. Auf jeden Fall schwimmen wieder kreuzfidele Fische im Wasser, Enten sonnen sich auf den Steinen, die aus dem Wasser ragen, Schwäne nutzen die Buchten um Ruhe zu finden und auch den einen oder anderen Reiher habe ich schon gesichtet.

Die Ruhr bei kemnade

Die Umgebung um Haus Kemnade und den Stausee ist optimal für Sport jeder Art: hier kann man kilometerlang Radfahren, skaten, spazieren gehen, Nordic Walken oder Joggen. Vor- und Nachteil zugleich: Alle Wege sind asphaltiert- für Skater ideal, für Jogger mit empfindlichen Gelenken vielleicht nicht ganz so gut geeignet– an einige Stellen kann man aber auch sehr gut in die Wiese wechseln.

Haus Kemnade

Haus Kemnade zu Bochum
Haus Kemnade
Haus Kemnade zu Bochum
Der Wassergraben
Die Geschichte dieses Hauses ist eng mit dem Ortsteil Stiepel verbunden. Obwohl die „Burg“ heute wie eine Wasserburg aussieht, wurde der Graben erst um 1780 so erweitert, dass er als Wassergraben diente. Wenn das Haus auch heute noch ziemlich wehrhaft aussieht, war es vom Ursprung her für Wohnzwecke gedacht,

Haus Kemnade zu Bochum

zur Verteidigung diente damals die Burg Blankenstein, deren übrig gebliebener Turm am gegenüberliegenden Berg zu sehen ist. 1001 tauchen bereits Informationen über einen Hof Stiepel auf, 1011 gehört der Besitz dem Bistum Bremen, deren Bischof Gerhard II. zur Lippe (ob Jürgen von der Lippe wohl aus dieser Sippe stammt?) dann die Stiepeler Besitzungen in ein Lehen umgewandelt und wahrscheinlich an seine Verwandten verkauft hat. Die älteste erhaltene Urkunde stammt jedenfalls aus dem Jahre 1393 und die Geschichte der Besitzer ist  - wie üblich in dieser Zeit – sehr wechselhaft. Männliche Linien sterben aus, Töchter werden verheiratet und so gab es auch auf Haus Kemnade unterschiedliche Herrschaften.

Das Bauernhausmuseum
Das Bauernhausmuseum
 Die unterschiedlichen Besitzer kann man teilweise heute noch in den erhaltenen Wappen verfolgen: Drücker, Romberg, Recke, Syberg, 1847 ist es wieder mal soweit: mit Friedrich von Syberg stirbt der letzte männliche Erbe. Seine Schwester heiratet Friedrich von Berswordt- Wallrabe, dessen Familie bis 1921 Haus Kemnade besitzt – dann geht es in den Besitz der Stadt Bochum über, obwohl es eigentlich schon zur Stadt Hattingen gehört. Der Name Kemnade soll übrigens vom Wort Kemenate hergeleitet sein, was im Wien schlicht und einfach ein Zimmer, im Ursprung jedoch einen geheizten Raum – einen Kaminraum – bezeichnete.

Heute gibt es mehrere Gründe die Burg zu besuchen:

Sie möchten in einem schönen Rahmen heiraten.

Das Standesamt Hattingen im Haus Kemnade
Ein wunderschöner Saal um "Ja" zu sagen
In der Burg ist das Standesamt der Stadt Hattingen untergebracht –allerdings werden Sie gebeten im Vorraum beim Sektempfang ihre Gläser nicht auf den alten Klavieren abzustellen.

Sie lieben alte Spardosen

Die "Makart" Spardosen
Spardosen im "Markartstil" des Kaiserumzugs...
In der Schatzkammer Kemnade ist geldgeschichtliche Sammlung der Sparkasse Bochum untergebracht.
WMF Spardosen
Wussten Sie zum Beispiel, dass WMF,  ja genau die mit dem Besteck und den Pfannen, auch Spardosen – wobei Dosen als weiter Begriff zu sehen ist – hergestellt hat? Auch als Wiener kann  man hier seine Überraschungen erleben! Makart als Maler ist natürlich ein Begriff. Ich konnte mich auch noch dunkel erinnern, dass er den Festzug zur Silbernen Hochzeit von Kaiserin Elisabeth und  Franz Joseph gestaltet hat. Hier allerdings fand ich Kutschen dieses Festzuges als Spardosen, die anscheinend zum damaligen Feste als Souvenir gefertigt wurden. Nicht schlecht, oder ?


Sie sind an alten Musikinstrumenten interessiert

Die Musikinstrumentensammlung Grumbt

Im Haus befindet sich auch die Musikinstrumentensammlung von Hans und Hede Grumbt, die mit knapp 1800 Stücken die größte Sammlung dieser Art in Nordrhein-Westfalen ist. Viele schöne Stücke stammen nicht aus Europa, sondern aus Südostasien, Afrika und Lateinamerika. Außerdem gibt es 55 historische Klarinetten zu entdecken.

Sie wissen was „Netsuke und Okimono“ sind

Eine Netsuke

Um es gleich zu verraten: wunderbare kleine Miniaturschnitzerein aus Holz oder Elfenbein. Hier kurz die Definitionen nach BeyArs.com:
Okimono, japanisch, kleine, oft aufwendig aus Elfenbein geschnitzte Kunstgegenstände "zum Aufstellen"; sie sind in etwa gleich groß wie Netsuke.

Nichts sprechen, nichts hören, nichts sehen


Netsuke , von japanisch ne, "Wurzelholz", und tsuke, "aufhängen"
Netsuken waren eigentlich Gebrauchsgegenstände, die als „Sicherungsknebel“ verhindern sollten, dass der breite japanische Gürtel bzw. daran befestigte Schnüre oder Kordel nicht herausrutschen oder daran befestigte Gegenstände nicht verloren gingen. Sie sind robuster als die Okimono und auch unter dem Titel „Handschmeichler“ bekannt.

Im Ausstellungsraum gibt es hunderte davon – man kann sich an den kunstvollen Figürchen gar nicht satt sehen. Allein diese Figuren sind es Wert, die Ausstellungen zu besuchen. Es findet sich auch ein Stück mit den berühmten „Drei Affen – nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“ darunter.

Sie sind hungrig und durstig

Das Restaurant im Hof von Haus Kemnade

Im Hof der Burg, genauer gesagt zwischen Burg und Wirtschaftsgebäude (die gemeinsam auf einer kleinen „Insel“ liegen, die durch den Wassergraben getrennt ist) befindet sich auch ein Restaurant, das sich über Besucher freut.

Wechselausstellungen


In den weiteren Räumen gibt es wechselnde Ausstellungen. Bis 9.9.2012 läuft hier die Schau: „Jäger und Sammler“.  5 glückliche Menschen – so wurden Sammler ja von Johann Wolfgang von Goethe bezeichnet, zeigen ihre Sammlungen, die unterschiedlich nicht sein könnten, aber einiges zu bieten haben.

Günter Filla zeigt seine Afrikanischen Kleinskulpturen

Ulrich Froese historisches südafrikanisches Kunsthandwerk


Werner Glock – Nomen est omen – historische Uhren und Uhrwerke


Klaus Grigo Zeugnisse alter Kulturen


Jürgen Stollmann Keramik aus Flandern

Wenn Sie Glück haben, kommen Sie mit einem Sammler während einer Führung auch noch persönlich ins Gespräch.


So nun ist aber wirklich Zeit für ein Pils, das natürlich in dieser Gegend von Fiege sein muss. Was anderes trinkt ein echter Ruhri nicht.Prost!











Haus Kemnade
An der Kemnade 10
45527 Hattingen
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 12.00 bis 18.00 Uhr. 
Öffentlich fahren Sie mit der Buslinie CE 31 bis Haltestelle Kemnade.