Mittwoch, 12. Juni 2013

Nicht nur am 9.6.2013 – Peace Please!


Ein wichtiger Gedenktag ging – von vielen Menschen unbemerkt – am 9.6. ohne großes Brimborium, das um viele unwichtigere Dinge gemacht wird, am Sonntag vorbei: der 170. Geburtstag von Bertha von Suttner.


Ein bisschen ORF III. und ein bisschen Ö1 und das war es schon. Mehr wurde im offiziellen Programm eine der wichtigsten Personen der österreichischen, der europäischen Geschichte nicht gewürdigt. Ein tolles Erlebnis bot die Festveranstaltung im Nepomuksaal in der Rotensterngasse in Wien. Das vom Portraittheater aufgeführte Stück „Peace please“ hätte sich noch mehr Zuschauer verdient.

 Doch der Reihe nach: Bertha von Suttner wurde am 9. Juni 1843 als Bertha Sophia Felicita des Generals Franz Graf Kinski von Chinic und Tettau und seiner um fast 50 Jahren jüngeren bürgerlichen Frau Sophie in Prag geboren, ihr Vater stirbt bereits vor ihrer Geburt, die Mutter wird so zur „Alleinerzieherin“. Mehrere Verlobungen folgen. Da das Vermögen der Mutter durch deren Spielsucht nahezu aufgebraucht ist, beschließt Bertha selbst für ihren Unterhalt zu sorgen und nimmt eine Stelle als Gouvernante bei Familie Suttner in Wien an und erteilt den vier Töchtern der Familie Unterricht und verliebt sich in den um sieben Jahre jüngeren Artur Gundaccar von Suttner, dessen Familie über diese Liebesbeziehung gar nicht „amused“ ist. Bertha verlässt die Familie, reist nach Paris, arbeitet für Albert Nobel, mit dem sie lebenslang befreundet bleibt. Doch die Liebe zwischen ihr und Artur ist stärker: er bittet sie zurück und beide heiraten heimlich am 12. Juni 1876. Das Ehepaar zieht in den Kaukasus, sie leben vom Unterrichten und Schreiben. 1855 kehren sie nach Wien zurück und söhnen sich mit der Familie Suttner aus, Bertha schreibt weiter Artikel unter einem Pseudonym und bringt 1888 das Buch „Das Maschinenzeitalter“ unter dem Pseudonym „Jemand“ heraus. 1889 veröffentlicht sie den Roman, der sie weltberühmt gemacht hat: „Die Waffen nieder!“ Das Buch erscheint in 37 Auflagen und wird in zwölf Sprachen übersetzt. Bertha beginnt sich nun unablässig für den Frieden zu engagieren. Bertha von Suttner reist mit ihren Mann, nach seinem Tod alleine durch die Welt, um Bürger und Politiker zu überzeugen, dass es eine andere Möglichkeit der Konfliktlösung als kriegerische Auseinandersetzungen geben muss. Während einer Vortragsreise in den USA erhält sie auch die Gelegenheit einer Unterredung mit Präsident Roosevelt im Weißen Haus. Am 10. Dezember erhält Bertha von Suttner als erste Frau, den von ihr angeregten Friedensnobelpreis. Am 21. Juni 1914 stirbt sie – nachdem sie unermüdlich vor den großen Gräuel eines neuen Krieges gewarnt hat, infolge eines Krebsleidens in Wien. Wenige Wochen später kommt es zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

Mit „Peace please – Ein Bertha von Suttner Journal“ stellt das Portraittheater das Leben und den Werdegang Bertha von Suttners in interessanter und unterhaltsamer Form dar. Hervorragend Anita Ziehrer als leidenschaftliche Friedensaktivistin, die im Zuge eines Radiointerviews (Interviewer: Udo Bachmair) über ihre Aktivitäten reflektiert und aus ihrem Leben erzählt. Hier wird nicht nur die Friedensnobelpreisträgerin in den Mittelpunkt gestellt, sondern ihr Leben mit allen Facetten abwechslungsreich geschildert.


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Die Inszenierung von Brigitte Pointner kommt mit einfachen Mitteln aus, sodass das Spiel in jeder Schule, jedem größeren Raum gespielt werden könnte und sollte. Geschichte wird erlebbar gemacht, das ganze Stück rankt sich um Originalzitate von Bertha von Suttner aus „Memoiren“, „High Life“, „Das Maschinenzeitalter“, „Die Waffen nieder!“, und vielen mehr. Dazu werden Originalfilmszenen aus „Lay down your arms“ (DK, 1914) eingespielt. Bemerkenswert wie viele Parallelen sich auch heute wieder mit der damaligen Zeit erkennen lassen, bemerkenswert die Ideen, Gedanken und Lösungen, die Bertha von Suttner entwickelt und anbietet und die auch heute noch ihre Gültigkeit hätten. Daher wäre es wichtiger denn je, sich wieder mit der Vergangenheit auseinander zu setzen.

Leider hat das Portraittheater keine „Heimatspielstätte“, deren Besuch man empfehlen könnte, daher die Empfehlung an Kulturvereine, Schulen, Bildungsinstituten, VHS und was es sonst noch alles gibt: Ladet Sie einfach zu/für eine Veranstaltung ein. Es löhnt sich und das Portraittheater widmet sich auch noch anderen außergewöhnlichen Frauen, deren Werk und Wirken dem Publikum nähergebracht werden soll. (www.portraittheater.net)

Die anschließende Podiumsdiskussion stand im Zeichen der Friedensforschung und welche Bedeutung Hertha von Suttner, ihr Weg und ihre Gedanken heute noch für die Gesellschaft haben. Am Podium diskutierten – unter der Leitung von Udo Bachmair – Univ.-Prof.Dr. Erwin Bader (Philosoph und Friedensforscher), Prof. Dr. habil. Walter Göhring (Historiker), Akad.-Prof. Dr. MMag. Hans Högl (Soziologe, Medienfachmann), Brigitte Pointner (Regisseurin) und Susanne Jalka (Verein für Konfliktkultur) teilweise heftig über die Bedeutung von Bertha von Suttner, wobei vor allem Prof. Göhring immer wieder den Fokus auf die Bedeutung von Alfred Fried zu lenken versuchte.